Übersetzung: Manuela

Der Nordwind bläst eisigen Schnee bei minus 20 Grad. Es ist garstig draußen.
Für die meisten Menschen ist ‘Leben in der Wildnis’ ein romantisches Konzept. Aber wenn man es erst einmal macht, schlägt die Wirklichkeit zu. Als ich hierher gezogen bin, 120 Kilometer weg von Dawson City, mit keinen anderen Menschen in Reichweite, fühlte ich mich wie am Mond. Das war vor 30 Jahren. Während meiner ersten paar Winter marschierte ich zu Fuß nach Dawson (120 Kilometer) und nach Raven (30 Kilometer), weil ich keine Transportmittel zur Verfügung hatte. Aber nach einiger Zeit wird das mühsam: irgendwann will man mehr Essen nach Hause bringen, als man tragen oder mit einem Schlitten ziehen kann. Anstatt Feuerholz mit einer Handsäge zu schneiden kauft man eine Motorsäge. Anstatt einer Kerosinlampe verwendet man Propanlampen. Und das geht weiter und weiter. Selbst wenn man sehr effiziente Maschinen benutzt, verbrennt man nur weniger fossile Energie, was im Prinzip jedoch nur bedeutet, dass man das Unvermeidliche hinauszögert.
‘Leben in der Wildnis’ klingt nett und gemütlich, aber es ist im Grunde ein Kampf ums Überleben. Ich kenne viele Menschen die in der Wildnis leben wollten. Alle diese Menschen hatten für eine lange Zeit von diesem Leben geträumt, aber als sie diesen Traum verwirklichten, erlebten sie die harte Realität und sie erkannten, dass sie ultimativ die Annehmlichkeiten der ‘Zivilisation’ nicht missen wollten. Nach einigen Tagen, Wochen oder Monaten sind sie alle wieder zurück in menschliche Siedlungen gezogen.
Selbst wenn man ein Hundeteam als Transportmittel benutzt stellt sich die Frage: Ist es umweltfreundlicher, mehrere tausend Fische zu fangen, und Karibus zu jagen, um die Hunde zu füttern? (Ein Hund frisst etwa 150 Fische pro Jahr). Bei dem fortschreitenden Rückgang an Fischzahlen im Yukon wird es bald nicht mehr erlaubt sein, Schlittenhunde auf diese Weise zu ernähren, und selbst wenn die Regierung nicht reagiert wir die Natur die nötigen Änderungen vornehmen.
In der Zwischenzeit katapultieren wir mehr Satelliten in die Umlaufbahn der Erde, damit wir einen besseren Überblick über die Zerstörung der Welt gewinnen können. Die Art wie wir mit der Natur umgehen wird früher oder später zu einem Ende kommen. Das ist unvermeidlich und absehbar. So wie wir leben zerstören wir die Welt, das kann man nicht abstreiten. Ich will mich jedoch dem kollektiven Sog in ein großes schwarzes Loch entziehen. Stattdessen versuche ich, das Leben zu genießen und das zu tun, was mein Herz mir rät.
Der Kampf von Gut und Böse findet seit tausenden Jahren statt; wir nennen es ‘Fortschritt’. Wir benutzen Technologie um unser Leben einfacher zu machen. Dann schlägt die Langeweile zu. Was ich sagen möchte ist: Worum geht es bei Alldem? Warum machen wir das? Wir alle wissen, was wir zu tun haben, aber wir tun es nicht. Wir zeigen mit dem Finger auf Andere; die Regierung und wen auch immer. So lange wir nicht erkennen, dass wir, das Individuum, verantwortlich sind für Alles, wird sich nichts ändern. Das ist der EINZIGE Weg, auf dem Änderung passieren kann, weil, unabhängig davon, wo auf der Welt ein Ereignis, eine Katastrophe passiert, es ist immer das ‘Ich’, das verantwortlich ist. Was tun wir mit diesem Wissen? Bis dahin, viel Glück und Gute Nacht!
(Ich entschuldige mich; ich bin mit einer schlechten Laune erwacht. Ich hatte erst zwei Tassen Kaffee und ich muss noch den Abwasch erledigen. Jetzt muss ich los.)
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